Haus für junge Menschen (Foto Roger Frei)Kolingeviert Innenhof (Foto Roger Frei)Ersatzneubau einer Brandruine in der Zuger Altstadt
Haus für junge Menschen (Foto Roger Frei)
Kolingeviert Innenhof (Foto Roger Frei)
Ersatzneubau einer Brandruine in der Zuger Altstadt

Öffentliche Bauten

Kolingeviert: Neubau Haus für junge Menschen (abgeschlossen)

Auszeichnung guter Bauten im Kanton Zug vom 4. September 2026
Aus 105 eingereichten Projekten der Baujahre 2016-2025 wurden 10 Projekte ausgezeichnet. Die Laudatio hielt Architektin Prof. Maria Conen, Jurymitglied: "Das Haus für junge Menschen am Kolinplatz ergänzt die Zuger Altstadt an sensibler Lage nahe dem Zytturm mit einem zurückhaltenden Neubau. Das Projekt verbindet Stadtreparatur, gemeinschaftliches Wohnen und die Öffnung des Innenhofs zu einem sozialen und räumlichen Mehrwert für das Quartier."

Bauprojekt

Die sechs Gebäude Kolinplatz 15, 19, 21 sowie Kirchenstrasse 3, 5 und 7 zwischen Kolinplatz, Kirchenstrasse, St.-Oswalds-Gasse und Fortunagasse bilden das Kolingeviert. Alle sechs Liegenschaften befinden sich im Eigentum der Einwohnergemeinde Zug. Im November 1999 brannte die Liegenschaft am Kolinplatz 21 bis auf ihre Grundmauern ab. Nach dem Brand wurden die Obergeschosse abgebrochen. Das Sockelgeschoss wurde mit einem Notdach provisorisch gedeckt.

Es bestand grosser Handlungsbedarf, diese Lücke im Kolingeviert wieder zu schliessen. Eine Machbarkeitsstudie dokumentierte die gegenseitigen baulichen Abhängigkeiten und den grossen Sanierungsbedarf der benachbarten Gebäude Kolinplatz 19 sowie Kirchenstrasse 3 und 5. Aus diesem Grund plante der Stadtrat eine Gesamtsanierung zusammen mit dem Neubau Kolinplatz 21. Aus denkmalpflegerischen, finanziellen, städtebaulichen und bautechnischen Gründen ging es dem Stadtrat stets darum, das Geviert als Ganzes zu erhalten.

Die darauffolgende Planung zur Schliessung der Baulücke durchlief verschiedene Phasen. Das Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug untersuchte die bestehende Bausubstanz und begleitete den gesamten Abbruch- und Bauprozess. Schliesslich konnte im Mai 2016 mit dem Rückbau der verbliebenen Gebäudeteile und anschliessend mit dem Neubau am Kolinplatz 21, welcher inzwischen in «Kirchenstrasse 1» umadressiert wurde, begonnen werden. Am 23. November 2017 wurde das Café Bistro zum Pfauen eröffnet, Mitte Dezember 2017 erfolgte die Übergabe des gesamten Baus.

Erster Wettbewerb

Im Jahr 2002 wurde ein Wettbewerb durchgeführt, um einen Ersatzneubau mit Büroräumen für ein Verwaltungszentrum der Einwohnerkontrolle zu schaffen. Die Weiterbearbeitung des Siegerprojekts über die Baueingabe hinaus wurde jedoch 2007 aufgrund einer Beschwerde sistiert.

In der Folge legten der Stadtrat und der Grosse Gemeinderat fest, dass erst nach Vorliegen einer Gesamtstrategie für das ganze Geviert über das weitere Verfahren entschieden werden sollte. Für die Brandruine am Kolinplatz 21 wurde ein Nutzungskonzept entwickelt. Als Bestandteil der Gesamtstrategie wurde Mitte 2011 ein Wettbewerb für einen Neubau durchgeführt.

Projektwettbewerb

Für den Wiederaufbau der Brandruine am Kolinplatz wurde im März 2011 der Projektwettbewerb als anonymer, einstufiger Wettbewerb im offenen Verfahren ausgeschrieben. Im Verfahren waren strenge städtebauliche, architektonische und denkmalpflegerische Kriterien festgelegt worden. Es wurden insgesamt 103 Projekte eingereicht. Das Preisgericht versammelte sich im September 2011 zur Beurteilung der eingereichten Projekte und beantragte beim Stadtrat, die Verfasserschaft des erstrangierten Projektes Nr. 48 «Gartenhof» mit der Weiterbearbeitung der Bauaufgabe zu beauftragen.

Der Stadtrat folgte am 4. Oktober 2011 der Empfehlung der Jury und bestimmte das Projekt «Gartenhof» des Zürcher Architekturbüros Lando Rossmaier als Siegerprojekt. Es reagierte mit einer angemessenen und qualitativ hochwertigen Architektur auf den sensiblen Ort. Das Projekt vereinte auf optimale Weise alle geforderten Bedingungen und stand insbesondere auch in Einklang mit dem damals geltenden Altstadtreglement.

Der Wettbewerb für den Wiederaufbau der Brandruine am Kolinplatz stiess auf grosses Interesse. Die Öffentlichkeit war Mitte November 2011 dazu eingeladen, die 103 eingereichten Projekte an einer Ausstellung in der Shedhalle, Hofstrasse 15, zu besichtigen.

Projektierungskredit

Der Grosse Gemeinderat bewilligte mit Beschluss Nr. 1569 vom 8. Mai 2012 einen Projektierungskredit in der Höhe von CHF 250`000.00 für den Neubau. In der Folge wurde durch das Architekturbüro Lando Rossmaier aus Zürich ein Bauprojekt ausgearbeitet.

Gesamtkredit

Parallel zur Planung des Bauprojekts Kolinplatz 21 wurde im Frühjahr 2012 für die benachbarten, stark sanierungsbedürftigen Gebäude Kolinplatz 19 sowie Kirchenstrasse 3 und 5 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Diese hatte u.a. die Aufgabe, die Liegenschaften auf ihre Abhängigkeiten untereinander und zum Neubau am Kolinplatz 21 hin zu überprüfen. Die daraus resultierende Gesamtsicht zeigte auf, dass ein Verkauf einzelner Gebäude aufgrund der gegenseitigen baulichen Abhängigkeiten nicht sinnvoll war. Hinsichtlich denkmalpflegerischer, finanzieller, städtebaulicher und bautechnischer Vorgaben ging es darum, das Geviert als Ganzes zu sichern und zu erhalten. Entsprechend wurden die Kosten für die Sanierung der Liegenschaften Kolinplatz 19, Kirchenstrasse 3 und 5 sowie die Neubaukosten für den Kolinplatz 21 einzeln wie auch als Gesamtbetrag ausgewiesen. Der Gesamtkredit umfasste die Objektkredite Kolinplatz 21, Kolinplatz 19 und Kirchenstrasse 3 und 5. Jeder dieser Objektkredite bildete für sich ein Kostendach.

Für die Gesamtsanierung der städtischen Liegenschaften im Geviert Kolinplatz und den Neubau am Kolinplatz 21 beantragte der Stadtrat mit Vorlage Nr. 2202.3 vom 13. Mai 2014 einen Gesamtkredit mit einem Kostendach von brutto CHF 11'073'600.00 inkl. MWST. Aufgrund der schlechten Bausubstanz wurde eine zusätzliche Reserve von CHF 1'104'700.00 beantragt. Der Grosse Gemeinderat stimmte dem Gesamtkredit von CHF 12'178'300.00 mit Beschluss Nr. 1611 vom 30. September 2014 zu.

Urnenabstimmung

Das Stadtzuger Stimmvolk sagte an der Urnenabstimmung vom 8. März 2015 mit 74.5 Prozent deutlich Ja zur Gesamtsanierung des Kolingevierts in der Altstadt und genehmigte den Gesamtkredit von CHF 12'178'300.00. Somit erhielt die Stadt Zug – 16 Jahre nach dem Brand – den Volksauftrag, ein gutes und breit abgestütztes Projekt umzusetzen.

Der Rückbau der verbliebenen Gebäudeteile startete Mitte Mai 2016. Anschliessend erfolgte der Neubau.

Betrieb

Mit dem Neubau an der Kirchenstrasse 1 (früher Kolinplatz 21) entstand im Erdgeschoss Raum für eine publikumsattraktive Nutzung in Form eines Cafés in Kombination mit einem Ladengeschäft. Auf diese Art und Weise konnte das gastronomisch genutzte Erdgeschoss samt neu geöffnetem Innenhof für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

In den Obergeschossen bieten zwei Maisonettewohnungen Wohnraum für 11 junge Menschen in Ausbildung, womit das Konzept «Ein Haus für junge Menschen» erfolgreich umgesetzt werden konnte. Es ist sehr erfreulich, dass das Geviert mit diesem Neubau eine deutliche Aufwertung erfahren hat und einen wichtigen Beitrag zur Belebung der Altstadt leistet.